Bildungsminister Wiederkehr hat zum Semesterende wieder einmal für Schlagzeilen gesorgt. Sein Plan: Kürzungen bei Latein und lebenden Fremdsprachen, um Platz für neue Fächer wie „Informatik & KI“ oder „Demokratiebildung“ zu schaffen. Was nach Fortschritt klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als kurzsichtiger Aktionismus, der die wertvolle Arbeit an unseren Schulen untergräbt.
Kein Fächer-Kulturkampf auf dem Rücken der Lehrkräfte
Spracherwerb ist kein „Luxusgut“, das man beliebig kürzen kann. Es ist eine Basiskompetenz, die Zeit und Kontinuität braucht. Die mediale Ausrichtung, dass bestimmte Fächer im jetzigen Ausmaß nicht mehr nötig seien, ist ein Schlag ins Gesicht aller Sprachlehrer:innen. Bildung ist kein Nullsummenspiel, bei dem man Latein gegen Bits und Bytes aufrechnet. Das Gegeneinander-Ausspielen von Fachinhalten ist reiner Populismus und führt nicht zu einer besseren Schule.
Gegen die aufgeblähte Stundentafel
Wir brauchen keine neuen „Reißbrett-Fächer“, für die es weder fertige Lehrpläne noch ausreichend ausgebildetes Personal gibt. Die ÖLI-UG lehnt eine weitere Aufblähung der Stundentafel ab. Statt ständig neue Baustellen zu eröffnen, sollte das Ministerium die Schulautonomie stärken. Hier gibt es bereits jetzt genug Spielraum für Schwerpunkte – wenn man den Schulen die Ressourcen dafür gibt.
Mutig entrümpeln – aber mit den Expert:innen!
Wer Platz für Neues will, muss entrümpeln. Aber das darf nicht „von oben herab“ geschehen. Die wahren Expert:innen sitzen in den Klassenzimmern. Lehrer:innen wissen am besten, welche Inhalte veraltet sind und wo Raum für Zukunftsthemen entstehen kann.
Zudem steht die Reform der Oberstufen-Lehrpläne noch aus. Eine Reform der Stundentafel vorzuziehen, bevor die neuen Lehrpläne überhaupt greifen, ist eine „Pseudo-Reform“. Unser Ansatz ist klar: Unterrichtsprinzipien statt neuer Fächer. Medienbildung und Demokratie müssen in jedem Fach verankert und gelebt werden.
Demokratie lernt man nicht nur am Mittwoch in der 3. Stunde
Demokratiebildung ist kein theoretisches Konstrukt für ein Einzelfach. Sie muss gelebt werden – durch echte Mitbestimmung im Schulalltag. Ein Minister, der Reformen medial verkündet, bevor er mit den Betroffenen spricht, liefert hierfür ein denkbar schlechtes Vorbild.

Wir fordern: Schluss mit dem Aktionismus. Reden Sie mit uns, Herr Minister, statt über uns!

Bernhard Hofmann, Astrid Schuchter, Markus Grass, Carina Tschann
für die ÖLI-UG im ZA-AHS