Wien, 9. März 2026
Sehr geehrter Herr Kollege Weiß, lieber Herbert,
kürzlich hast du im Namen der AHS-Gewerkschaft einen offenen Brief an Bildungsminister Christoph Wiederkehr gerichtet. Darin kritisierst du die aktuelle Reformdiskussion als intransparent, bemängelst die fehlende demokratische Einbindung und forderst einen ergebnisoffenen Dialog.
Wer solche Forderungen öffentlichkeitswirksam aufstellt, muss sich jedoch die Frage gefallen lassen, wie er es selbst mit diesen Werten hält. Wer kritisiert, muss erst einmal vor der eigenen Türe kehren.
Demokratie und Transparenz nach innen? Fehlanzeige.
Du beklagst, dass die Gewerkschaft im Vorfeld nicht eingebunden wurde. Gleichzeitig versendest du einen offenen Brief im Namen der AHS-Gewerkschaft, ohne die AHS-Bundesleitung – das oberste Gremium unserer Gewerkschaft – auch nur vorab zu informieren, geschweige denn den Inhalt dort zu diskutieren. Ist das die demokratische Vorgangsweise, die du vom Ministerium einforderst?
Ebenso befremdlich wirkt es, wenn die Aussendung dieses Briefes an die Gewerkschaftlichen Betriebsausschüsse (GBAs) über eine E-Mail-Adresse mit der Endung @oepu.at erfolgt. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Ist dies tatsächlich ein Schreiben der überfraktionellen AHS-Gewerkschaft, oder lesen wir hier in Wahrheit eine rein fraktionelle Aussendung der ÖPU? Transparenz sieht anders aus.
Das Bild unserer Interessensvertretung
Es wirft kein gutes Licht auf unsere Interessenvertretung, wenn sich der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft in den Medien stolz als Blockierer präsentiert. Zur Glaubwürdigkeitskrise trägt auch bei, wenn GÖD-Vorsitzender Eckehard Quin Videos des vor Gericht stehenden Klubobmanns August Wöginger teilt, in denen dieser weinerlich erklärt, wie schwierig und missverstanden die politische Bürgernähe sei.
Echte Mitbestimmung statt reiner Blockadehaltung
Du bezeichnest den Reformprozess als dialogarm. Aber ist es wirklich intransparent, wenn das Ministerium Lehrpersonen und Bürger:innen direkt befragt? Wir empfinden diese Art der Einbindung als erfrischend neu. Natürlich darf die Personalvertretung dabei nicht ausgehebelt werden. Wenn wir jedoch unsere Bereitschaft zur konstruktiven Mitarbeit zeigen, statt reflexartig abzublocken, wird es genug Möglichkeiten geben, wichtige bildungspolitische Akzente zu setzen.
Zur inhaltlichen Debatte
In einem Punkt stimmen wir dir zu: Es liegen aktuell zu wenig Informationen vor, um die ministeriellen Pläne abschließend zu bewerten. Wir brauchen eine qualitätsvolle Debatte darüber, was konkret geplant ist. Wir müssen darüber diskutieren, welche Schwerpunkte unsere Schüler:innen für die Zukunft brauchen.
Anstatt das Gerücht zu streuen, das Gymnasium sei in Gefahr, wäre es an der Zeit, konstruktive Lösungen zu präsentieren.
Als Interessenvertretung müssen wir Teil der Lösung sein, nicht nur Bewahrer des Status quo.
Mit gewerkschaftlichen Grüßen
Uschi Göltl, Astrid Schuchter, Markus Grass, Bernhard Hofmann

Hinterlasse einen Kommentar